Immense Bildungsnachteile für Mädchen während der Menstruation
Wir brechen das Schweigen und klären im Südsudan auf – ein Projekt-Zwischenbericht.
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Scham, Isolation und Bildungsnachteile. So lässt sich der Alltag vieler Mädchen im Südsudan beschreiben. Eine Erhebung in Aweil East County kommt zum Ergebnis, dass jedes zweite Mädchen aufgrund ihrer Periode deutlich benachteiligt ist. Unser Zwischenbericht des Projekts „Menstruationshygiene Südsudan 2025“ zeigt auf, wie wichtig Aufklärung ist – nicht nur bei Mädchen und Müttern.

Echter Bildungsnachteil: bis zu 30 Fehltage in der Schule
Für viele Schulmädchen im Südsudan ist die Menstruation kein natürlicher Bestandteil des Erwachsenwerdens, sondern ein Grund für Scham, Isolation und Bildungsnachteile.
Laut einer Erhebung in unserer Projektregion Aweil East County im Südsudan verpassen 52 % der Mädchen während ihrer Periode regelmäßig den Schulunterricht. Das bedeutet: Jeden Monat sehen sich viele Mädchen gezwungen, sich durchschnittlich 2,5 Schultage entgehen zu lassen – das sind bis zu 30 Schultage im Jahr. Besonders dramatisch ist: Die meisten Mädchen fehlen gerade dann, wenn Prüfungen stattfinden und ihre schulische Zukunft auf dem Spiel steht.
Die Zukunft steht auf dem Spiel – und die Gesundheit!
Die Gründe für das Fehlen in der Schule während der Menstruation sind vielschichtig – und erschütternd. Viele Mädchen haben keinen Zugang zu sicheren Menstruationsprodukten. Stattdessen nutzen sie alte Stoffreste, Papier oder sogar Blätter. Solche Notlösungen sind nicht nur unhygienisch, sondern oft mit Angst und gesundheitlichen Risiken verbunden. Gleichzeitig fehlen in den meisten Schulen abschließbare Toiletten, sauberes Wasser oder Seife – grundlegende Voraussetzungen für einen würdevollen Umgang mit der Menstruation.

Wir helfen, das Schweigen zu brechen: mit einer großen Bildungsinitiative
Noch belastender ist das Stigma: In vielen Familien gilt das Thema Menstruation als Tabu. Ein Viertel der befragten Mädchen glaubte, dass es gesundheitsschädlich sei, sich während der Periode zu waschen. In einem Umfeld, in dem Menstruation mit Schmutz und Schweigen gleichgesetzt wird, fühlen sich viele Mädchen allein gelassen – und geben auf.
Diese Realität macht deutlich: Wer Mädchen in ihrer Schulbildung stärken will, muss es ihnen ermöglichen, ihre Menstruation sicher, informiert und selbstbewusst zu erleben. Genau hier setzt unser groß angelegtes Projekt in Aweil East County (Bundesstaat Bahr El Ghazal, Südsudan) an. Mit dem Menstruationsprojekt sollen die Bildungschancen für Mädchen deutlich gesteigert, ihre Würde hergestellt und ihnen so Schutz und Zukunftsperspektive ermöglicht werden.
Bisherige Projektaktivitäten zur Bekämpfung der Bildungsnachteile
Projektüberblick:
- Berichtszeitraum: November 2024 bis Mai 2025
- Ort: Aweil East County, Northern Bahr El Ghazal, Südsudan
- Zielgruppe: Schulmädchen, Mütter, Jungen, Lehrkräfte
Entwicklungsmaßnahmen im Berichtszeitraum:
- Verteilung von 1.450 Menstruationshygiene-Kits (inkl. wiederverwendbarer Binden, Seife, Unterwäsche etc.) an 22 Schulen
- Schulungen zur Verwendung der Hygieneartikel sowie Aufklärung zur Menstruation (insgesamt 22 Sessions)
- Radiokampagnen über Weer Bei Radio, zweimal wöchentlich auf Englisch und Dinka, erreichten über 44.000 Personen
- Ausbildung von 30 Müttern und Mädchen in der lokalen Herstellung wiederverwendbarer Binden
- Entwicklungsmaßnahmen und Wirkungen im Berichtszeitraum: Einbindung von 41 Lehrkräften – davon viele männlich – zur Sensibilisierung im Schulalltag
Positive Auswirkungen zeigen sich bereits heute
Bereits heute können wir ein ermutigendes Zwischenfazit ziehen:
- Die Schulpräsenz während der Menstruation stieg auf 80 % (zuvor 48 %).
- 100 % der Mädchen und 75 % der Jungen gaben an, sich besser über Menstruation informiert zu fühlen.
- Die Projektmaßnahmen stärkten das Selbstbewusstsein der Mädchen.
- Die Projektmaßnahmen trugen zu einem offeneren Umgang mit Menstruation bei.
- Lehrkräfte veränderten ihre Haltung zur Menstruation und ermöglichten betroffenen Mädchen z. B. flexible Toilettenzeiten während des Unterrichts.
Herausforderungen erschweren das Projekt
Die Arbeit in Krisenregionen erfordert aufgrund vieler Faktoren (z. B. Naturkatastrophen, politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen) stets ein hohes Maß an Flexibilität, Tatkraft, Teamwork und Kreativität im Umgang mit unvorhersehbaren Entwicklungen vor Ort. So bleibt es auch bei unserem diesem Entwicklungsprojekt nicht aus, dass sich im Berichtszeitraum Herausforderungen einstellten:
- Schulschließungen im November 2024 und Februar 2025 führten zu Projektverzögerungen, wurden jedoch durch erfolgreiche Radiosendungen und Umplanung kompensiert. (Zuhörerin Mary berichtet hier von ihren Erfahrungen, die sie durch die Radiosendungen gemacht hat.)
- Die Inflation führte zum Anstieg der Materialkosten für die Hygiene-Kits – um 24 %. Das ursprünglich gesetzte Ziel musste daher auf 900 Empfängerinnen reduziert werden.
- 450 registrierte Mädchen warten aufgrund hoher Nachfrage noch auf Hygiene Kits; die Verteilung ist unmittelbar nach Schulbeginn geplant.
Mary, Mutter von 8 Kindern, erzählt voller Dankbarkeit, wie die regelmäßige Radiosendungen ihr Leben und das ihrer Freunde verändert hat.

Wie geht es weiter? Ausstehende Maßnahmen
Bis zum Projektabschluss sind stehen noch weitere Maßnahmen in den Communitys von Aweil East County aus:
- Verteilung der restlichen Kits an 450 Mädchen in sechs Schulen.
- Ausbau der lokalen Produktion durch Schulung von 60 Müttern und Mädchen.
- Sensibilisierung und Bildung von Jungen und Vätern durch Dialogformate.
- Fortführung des Projekt-Monitorings: Anwesenheitserhebungen, Rückmeldungen von Schülerinnen
- Dokumentation weiterer Erfolgsgeschichten und Evaluierung der Kostenwirksamkeit.



