Die Menschen im Sudan sind dringend auf Hilfe angewiesen.

Neue Kindertagesstätte in Ruanda

Mehr Bildungschancen im ländlichen Kamonyi – unser Projektbericht

Trotz erheblicher Fortschritte im Bereich der Grundschulbildung verzeichnet Ruanda nach wie vor gravierende Defizite im Bereich der frühkindlichen Entwicklung. Während nahezu 90 % der Kinder eingeschult werden, haben nur 20,8 % Zugang zu Vorschulbildung. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie der Kamonyi-Distrikt, wo Kinder weite Wege zu schlecht ausgestatteten Einrichtungen zurücklegen müssen. In vielen Fällen existieren gar keine Kindertagesstätte – dies war auch der Fall im Dorf Karama, im Kamonyi-Distrikt.

Kindertagesstätte in Ruanda
"Früher mussten unsere Kinder weite Wege zu überfüllten und gefährlichen Schulen und Kindergärten zurücklegen – wenn sie überhaupt zur Schule gingen. Manche Eltern hatten die Hoffnung auf Bildung ganz aufgegeben. Heute haben wir ein echtes Kindergartengebäude direkt im Dorf. Das ist für uns wie ein Wunder.“

Frühkindliche Bildung als nationales Anliegen

Die Regierung Ruandas verfolgt ambitionierte Ziele: Bis 2030 sollen alle Kinder Zugang zu qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung erhalten. Die Zahl staatlich registrierter Kindergärten wurde in den letzten Jahren stark erhöht – von 17 % Abdeckung im Jahr 2016 auf (statistisch) über 80 % im Jahr 2023. Doch dieser Ausbau erfolgte schneller als die Sicherung von Qualität und Inklusion. Das bedeutet, dass viele Gebäude in einem schlechten Zustand sind, viel zu klein sind und zu wenig Klassenzimmer haben. Besonders Kinder mit Behinderungen, Familien in abgelegenen Gebieten und sozial benachteiligte Gruppen bleiben dadurch häufig ausgeschlossen.

Hier setzt das Bauprojekt an. Im ländlich geprägten Kamonyi-Distrikt, wo Subsistenzlandwirtschaft das Haupteinkommen sichert und viele Familien unter der Armutsgrenze leben, stellt frühkindliche Bildung eine entscheidende Voraussetzung für spätere Chancengleichheit dar.

Projektübersicht: Ziele und Maßnahmen in Kamonyi

Projektziele:

  1. Bau eines ganzheitlich ausgestatteten Kindertagesstätte im ländlichen Kamonyi.
  2. Förderung der Vorschulbildung im Dorf Karama und den umliegenden Dörfern.
  3. Schaffung einer sicheren Lernumgebung für bis zu 400 Kindern.

 

Zum Bau des Kindergartens in Ruanda gehörten:

Außerdem konnten diese Maßnahmen umgesetzt werden:

Klassenzimmer des ECD in Ruanda

Eines der beiden neuen Hauptgebäude der Kindertagesstätte.

Endlich die Chance auf Bildung

Im Herzen des Kamonyi-Distrikts, auf den abgelegenen Hügeln des Dorfes Karama, hat sich das Leben vieler Familien dank der neuen Kindertagesstätte „Teta Kibondo“ grundlegend verändert. Wo zuvor nur Hoffnungslosigkeit und fehlende Perspektiven herrschten, steht heute ein farbenfrohes Gebäude, in dem täglich hunderte Kinder lernen, lachen und wachsen dürfen.

Der neue Kindergarten im Dorf Karama (Kamonyi) hat eine erhebliche Transformation in der Region bewirkt. Für viele Familien ist es die erste Bildungseinrichtung, die ihren Kindern zugänglich ist. Die Betreuungsstruktur verbessert die Schulreife maßgeblich – ein entscheidender Faktor angesichts der hohen nationalen Wiederholungsrate von 20,5 % in der Grundschule.

Besonders hervorzuheben ist die Bewertung durch das ruandische Ministerium für Geschlechtergleichstellung und Familienförderung (MIGEPROF). Im Rahmen der nationalen Leistungskontrolle bestätigten Vertreter des Ministeriums den Kindergarten als „Vorzeigemodell“ für ländliche frühkindliche Bildung. Damit erhält das Projekt politische Anerkennung und gilt als skalierbare Lösung für die nationale Strategie.

Bildungschancen dank Kindertagesstätte

Eine Kindertagesstätte mit Spiel, Ernährung, Hygiene und Bildung

Auch die Betreuerinnen des Kindergartens, neun engagierte Frauen aus der Nachbarschaft, erzählen eine Geschichte der Transformation. Eine der freiwilligen Helferinnen erinnert sich an die Anfangszeit: „Wir begannen mit nichts außer dem Willen, unseren Kindern eine bessere Zukunft zu schenken. Ohne Möbel, ohne Bücher, ohne Ausbildung. Nur mit Herz.“ Heute unterrichten sie hunderte Kinder – in strukturierten Tagesplänen mit Spiel, Ernährung, Hygiene und Bildung.

Besonders bedeutsam ist, dass der Kindergarten nicht nur Kinder betreut, sondern ganze Familien stärkt. Während die Kinder sicher betreut sind, können die Eltern – vor allem Mütter – ihrer Arbeit nachgehen, Einkommen erzielen oder an Spargruppen teilnehmen. So entstehen nicht nur neue Bildungschancen, sondern auch wirtschaftliche Perspektiven für die gesamte Dorfgemeinschaft.

Sanitäranlagen ECD Ruanda

Die neuen Sanitäranlagen: Latrinen und Waschbecken. Rechts daneben eine der beiden 5000-Liter-Regentonnen.

Die Kindertagesstätte fördert den Zusammenhalt im Dorf

Die Einrichtung wurde zum Mittelpunkt des Dorflebens: ein Ort des Lernens, aber auch des Zusammenhalts. In den Worten einer Betreuerin: „Wir geben den Kindern nicht nur Bildung, sondern ein Bild davon, was ihre Zukunft sein kann – durch Lernen. Das ist wahre Veränderung.“

Das Engagement der Freiwilligen und die aktive Beteiligung der Eltern zeigen eindrucksvoll, wie mit bescheidenen Mitteln große Wirkung erzielt werden kann. Die Kinder, die gestern noch barfuß auf lehmigen Böden saßen, blättern heute in Bilderbüchern und zählen lautstark bis zehn. Und sie tun dies in einem Raum, der für sie gebaut wurde – sicher, bunt, voller Möglichkeiten.

Herausforderungen bei Entwicklungsprojekten in ländlichen Regionen

Zur Umsetzung von Entwicklungsprojekten gehören auch Herausforderungen. Projekte in ländlichen Regionen stoßen oft an ganz praktische Grenzen: In Ruanda, dem „Land der tausend Hügel“, erschweren unbefestigte Straßen die Erreichbarkeit von Bauorten und Transporte dauern länger. Hinzu kam bei diesem Projekt, dass das stark abschüssige Gelände die Mehrkosten für die Nivellierung der Baufläche verursachte.

Wir freuen uns, dass wir mit dem Team ForAfrika Ruanda, dem großen Engagement der Dorfbewohner und der benachbarten Presbyterianischen Kirche ein Projekt umsetzen konnten, das bis zu 400 Kindern im ländlichen Ruanda eine kindgerechte Entwicklung ermöglicht und Zukunftsperspektive gibt. Ein besonderer Dank gilt allen unseren Spendern, die dieses Projekt möglich gemacht haben.

 
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