Jugendliche beleben degradierte Wassereinzugsgebiete in Konso (Äthiopien)
Lebensgrundlagen sichern: Wie junge Frauen wie Elsa wieder neue Hoffnung schöpfen.
- Lesedauer: 3 Minuten
Die Umweltzerstörung hat in Konso im Süden Äthiopiens zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität geführt – verschärft durch unregelmäßige Regenfälle. Viele junge Menschen haben sich deshalb Arbeiten außerhalb der Landwirtschaft zugewandt, während wiederholte Ernteausfälle einige Familienmitglieder gezwungen haben, vorübergehend in Städte im Süden zu migrieren. Da weniger Menschen auf dem Land arbeiten, wurden viele Boden- und Wasserschutzstrukturen nicht mehr instand gehalten. Das neue “Livelihood Improvement” (dt.: Verbesserung der Lebensgrundlagen) Projekt bringt Menschen in Konso wieder neues Leben.

Elsa (links), Getinash (Mitte) und Gonzebe (rechts) nach dem Holen von Brennholz in der rehabilitierten Zone
„Früher wuchs hier kein Gras. Aber jetzt sieht jeder die Veränderung. Wir können Feuerholz und auch Gras zum Dachdecken sammeln“
Wassereinzugsgebiete fördern wichtige Grasarten
„Dieser Ort war kahl“, sagt Kuchabo Kubale, Leiter der Sorobo-Kebele-Verwaltung, während er auf das 50 Hektar große Wassereinzugsgebiet zeigt, das durch das Livelihood Improvement Project in Zusammenarbeit mit der Sorobo-Jugendgruppe rehabilitiert wurde. „Jetzt ist es wiederhergestellt und wichtig für die lokale Bevölkerung, weil hier verschiedene Grasarten wachsen. Sie eignen sich ideal als Futter und zum Dachdecken.“
Unvorhersehbare Wetterveränderungen, hoher Bevölkerungsdruck und der Zusammenbruch traditioneller Landbewirtschaftungssysteme – insbesondere Praktiken zur Erhaltung von Boden und Wasser – haben in den Regionen Konso und Borana zu massiver Umweltzerstörung geführt. Die ökologische Verschlechterung zeigt sich in schwerer Land-, Wasser- und Vegetationsdegradation. In Konso hat die Verschlechterung der alten Terrassenkulturen durch unregelmäßige Regenfälle und Überschwemmungen die Situation weiter verschärft.

Das Wassereinzugsgebiet von Konso war vor seiner Sanierung kahl.
Bodendegradation – Was ist das?
Land und Boden sind für die Erzeugung von Nahrungsmitteln essenziell. “Wenn Böden degradieren, sind sie krank” [1], erklären die Vereinten Nationen. Sie sind dann nicht mehr in der Lage, ihre ökologischen und ökonomischen Funktionen zu erfüllen. Das biologische Gleichgewicht ist zerstört.
Bodendegradation wird in den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (kurz: SDG) thematisiert. Ziel des SDG-Ziels 15 (“Leben an Land”) ist unter anderem, Landökosysteme zu schützen, wiederherzustellen und die nachhaltige Nutzung zu fördern. So soll auch Bodendegradation beenden werden. Das SGD-Ziel 15 sieht in Äthiopien “große Herausforderungen”. Darunter leiden insbesondere diejenigen Menschen in entlegenen Gebieten, deren Lebensgrundlage primär von Ackerbau und Landwirtschaft abhängig ist.
[1] https://unric.org/de/degradierung-waldzerstoerung-ueberweidung-und-erosion-bedrohen-wertvolle-agrarflaechen-2/
Wichtige Maßnahmen im Kampf gegen Bodendegradation
Um dieser Situation zu begegnen, haben die Konso Development Association (KDA) und ForAfrika ein Projekt zur Verbesserung der Lebensgrundlagen gestartet, um degradierte Gebiete im Karat Zuria Woreda im Konso-Distrikt wiederherzustellen. Bis Mai 2026 sollen die betroffenen Haushalte wichtige Lebensgrundlagen zurückgewinnen, darunter 80 Hektar Weideland, Wassereinzugsgebiete und Wasserstellen, und ihre Widerstandsfähigkeit stärken. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören Wiederherstellung von Weideland und Wassereinzugsgebieten, Aufbau von Baumschulen, Ausstreuen von Gras- und Baumsamen sowie die Verteilung landwirtschaftlicher Betriebsmittel.
Im Woreda Sorobo Kebele wurden alle Maßnahmen gemeinsam von der Gemeinde und den Landwirtschaftsbehörden geplant. Dazu gehörten das Einrichten von Schutzgebieten, Boden- und Wasserschutz, Wiederbegrünung degradierter Flächen und regelmäßige Feldbegehungen durch Experten der Farmer Training Centres.
Unvorhersehbare Wetterveränderungen, hoher Bevölkerungsdruck und der Zusammenbruch traditioneller Landbewirtschaftungssysteme – insbesondere Praktiken zur Erhaltung von Boden und Wasser – haben in den Regionen Konso und Borana zu massiver Umweltzerstörung geführt. Die ökologische Verschlechterung zeigt sich in schwerer Land-, Wasser- und Vegetationsdegradation. In Konso hat die Verschlechterung der alten Terrassenkulturen durch unregelmäßige Regenfälle und Überschwemmungen die Situation weiter verschärft.

Traditionelles Wissen bleibt bewahrt: Jugendliche engagieren sich
Ein Großteil der Arbeiten wurde von Mitgliedern der Sorobo-Jugendgruppe durchgeführt. Die Gruppe besteht aus 20 Mitgliedern, fünf Frauen und fünfzehn Männern. Elsa trat der Gruppe im Juli 2025 bei. „Der Wunsch, unser degradiertes Land wiederherzustellen, war der Grund, warum ich beitrat. Es war dringend notwendig, das Wassereinzugsgebiet zu schützen, weil es die Quelle der Bäche ist“, sagt sie.
Elsa brach die Schule in der neunten Klasse ab, weil ihr die Mittel fehlten. Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm sie als Erstgeborene deren Verantwortung. Sie beteiligte sich durch körperliche Arbeit an dem Projekt und half beim Pflanzen einheimischer Bäume und beim Anlegen von Mikrobecken. „Früher wuchs hier kein Gras. Aber jetzt sieht jeder die Veränderung. Wir können Feuerholz und auch Gras zum Dachdecken sammeln“, sagt sie.
Auch Gonzebe, ist Mitglied der Jugendgruppe. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. Wie Elsa brach sie die Schule aufgrund finanzieller Schwierigkeiten ab. Ihr Haus grenzt an das Schutzgebiet. Neben der Mitarbeit beim Anlegen von Mikrobecken, beim Einzäunen und beim Pflanzen von Bäumen servierte sie den Arbeitern auch das lokale Getränk Chaka, das sie verkauft, um Einkommen zu erzielen. „Wir Menschen in Konso haben traditionelles Wissen zu Boden- und Wasserschutz. Das Projekt hat uns geholfen, dieses Wissen neu zu beleben“, erklärt sie.
Im Woreda Sorobo Kebele wurden alle Maßnahmen gemeinsam von der Gemeinde und den Landwirtschaftsbehörden geplant. Dazu gehörten das Einrichten von Schutzgebieten, Boden- und Wasserschutz, Wiederbegrünung degradierter Flächen und regelmäßige Feldbegehungen durch Experten der Farmer Training Centres.
Unvorhersehbare Wetterveränderungen, hoher Bevölkerungsdruck und der Zusammenbruch traditioneller Landbewirtschaftungssysteme – insbesondere Praktiken zur Erhaltung von Boden und Wasser – haben in den Regionen Konso und Borana zu massiver Umweltzerstörung geführt. Die ökologische Verschlechterung zeigt sich in schwerer Land-, Wasser- und Vegetationsdegradation. In Konso hat die Verschlechterung der alten Terrassenkulturen durch unregelmäßige Regenfälle und Überschwemmungen die Situation weiter verschärft.

Elsa nach der Grasernte für die Dachdeckung ihres Hauses.
Bäume aus der Baumschule
Negash, 30, ist der Leiter der Jugendgruppe. Er hat ein Diplom in Tierproduktion und fünf Kinder. „Wir wurden in Boden- und Wasserschutzmaßnahmen geschult und haben dieses Wissen bei der Wiederherstellung des Gebiets angewendet. Wir sind KDA und ForAfrika dankbar für die Unterstützung und die Lebensmittel, die wir während der Arbeit erhielten.“
Die KDA betreibt vier Baumschulen, die von ForAfrika unterstützt werden. Die Setzlinge für das Wassereinzugsgebiet stammen aus der Gocha-Kebele-Baumschule. Dort wachsen Avocado-, Orangen-, Papaya- und Guavenbäume sowie Zypressen. Landwirtschaftsoffiziere identifizieren interessierte Bauern und beliefern sie kostenlos mit Setzlingen.
Gizachewu ist der Leiter der Baumschule. Er lebt mit einer Behinderung, hat drei Kinder und beendete die Schule in der zehnten Klasse. Er arbeitet seit zehn Jahren dort. Er koordiniert Aktivitäten, beaufsichtigt Arbeiter, arbeitet mit Partnern zusammen und mischt Erde mit Dünger. Auf seinem eigenen Landstück baut er Kaffee und verschiedene Baumarten an – die Setzlinge stammen aus seiner Arbeit.Stärkung wirtschaftlicher Selbstständigkeit
Um die Selbstständigkeit der Jugendgruppe zu stärken, plant die KDA in Zusammenarbeit mit ForAfrika Schulungen und die Ausstattung mit modernen Bienenstöcken sowie die Unterstützung bei der Gründung kleiner Unternehmen. Zusätzlich sollen die Jugendlichen darin bestärkt werden, eigene Baumschulen aufzubauen und Setzlinge zu verkaufen.




