Die Menschen im Sudan sind dringend auf Hilfe angewiesen.

Die Kämpfer jagten uns weiter – Asylsuchende zwischen Flucht und Neubeginn in Uganda

Wie Iragi und andere im Nyakabande Transitzentrum Schutz und neue Perspektiven finden

Gewalt und bewaffnete Konflikte im Osten der Demokratischen Republik Kongo zwingen Hunderttausende Menschen zur Flucht. Viele von ihnen suchen Schutz im Nachbarland Uganda. Diese Geschichte zeigt am Beispiel von Iragi und Sebudurumba, wie Asylsuchende im Nyakabande‑Transitzentrum ankommen, versorgt werden – und erste Schritte in ein neues Leben gehen.

Asylsuchende in Uganda

„Die Kämpfer jagten uns weiter. Es gab Bomben und Schüsse, also rannten wir immer weiter.“

Asylsuchende wie Iraqi kommen mit Transitzentrum in Uganda an

Iragi und Sebudurumba entkamen den Schrecken eines Rebellenaufstands im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), der Tausende Menschen das Leben kostete und Hunderttausende zur Flucht zwang.

„Ich bin hierhergekommen in der Hoffnung, meine Familie zu finden“, sagt Iragi, der mitten in der Nacht aus Goma, einer Stadt in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), fliehen musste. Tage später kam er erschöpft und allein im Transitzentrums in Kisoro, Uganda, an.

„Viele Menschen wurden dort getötet, wo ich war. Die Leichen lagen überall. Der Geruch war schrecklich. Die Kämpfer jagten uns weiter. Es gab Bomben und Schüsse, also rannten wir immer weiter. Ich habe eine Frau und zwei Kinder, aber wir wurden auf der Flucht voneinander getrennt. Ich dachte, ich würde sie hier finden, aber bisher habe ich sie nicht gesehen.“

Für Menschen, die vor Gewalt und Vertreibung fliehen, ist der Weg hin zu Sicherheit von großer Unsicherheit geprägt. In Uganda jedoch bietet eine fortschrittliche Flüchtlingspolitik Asylsuchenden die Möglichkeit, ihr Leben neu aufzubauen – mit Zugang zu Land, Arbeit und grundlegenden Dienstleistungen.

Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo

Seit über drei Jahrzehnten ist die Demokratische Republik Kongo von Konflikten geprägt. Mehr als 100 bewaffnete Gruppen kämpfen um die Kontrolle über den enormen Mineralreichtum des Landes. Die DR Kongo ist der weltweit größte Produzent von Kobalt und ein wichtiger Lieferant von Kupfer, Coltan, Gold und Diamanten.

In jüngster Zeit hat die Rebellengruppe M23 bedeutende Städte wie Goma und Bukavu eingenommen und richtet ihren Blick nun auf die Hauptstadt Kinshasa. Seit Januar wurden mindestens 7.000 Menschen getötet, und UN Organisationen warnen vor einer sich zuspitzenden humanitären Katastrophe.

Analystinnen und Analysten befürchten eine Wiederholung des Zweiten Kongokriegs – auch bekannt als Afrikas Weltkrieg –, der die Region verwüstete und Millionen Menschen durch Kämpfe, Hunger und Krankheiten das Leben kostete.

Aphia Nyiraribora, eine Mitarbeiterin von ForAfrika, arbeitet im Transitzentrum. Dort führt sie Programme zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene durch und sorgt für Sauberkeit.

Das Nyakabande-Transitzentrum in Kisoro, Uganda

Seit den frühen 2000er-Jahren hatten mehr als eine Million Menschen aus der DR Kongo kaum eine andere Wahl, als in Nachbarländer wie Uganda, Burundi und Angola zu fliehen.

Viele sind gezwungen, ihre Häuser mit nichts weiter als dem Nötigsten zu verlassen. Sebudurumba nahm einige Kleidungsstücke und eine Matratze mit und brachte sich und ihre Kinder mit einem Taxi zur Grenze bei Bunagana. Von dort wurden sie in das Nyakabande‑Transitzentrum in Kisoro gebracht.

„Geflüchtete kommen im Aufnahmelager Nyakabande an. Dort werden sie registriert und erhalten grundlegende Hilfsgüter wie Decken, Schlafmatten, Seife, Kanister, Waschschüsseln sowie Hygieneartikel für Frauen. Außerdem bekommen sie Mahlzeiten“, erklärt Frank Walusimbi vom UNHCR (Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) in Uganda.

Seit 2022 unterstützt ForAfrika Asylsuchende bei der Registrierung, organisiert Maßnahmen in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (kurz: WASH) und bereitet sie auf ihr neues Leben vor.

Die WASH-Arbeit ist im überfüllten Transitzentrum zentral

Vertreterinnen und Vertreter verschiedener NGOs führen bei der Ankunft von Asylsuchenden sogenannte Sensibilisierungs Sessions durch. Dabei erklären sie die Regeln und Abläufe des Transitzentrums. Täglich kommen rund 2.600 Geflüchtete in einem Zentrum an, das ursprünglich für 825 Erwachsene ausgelegt ist.

Unter beengten Bedingungen und mit nur wenigen Ressourcen breiten sich Infektionen leicht aus und gefährden sowohl Geflüchtete als auch die aufnehmende Gemeinschaft. Aphia Nyiraribora ist eine Mitarbeiterin von ForAfrika und am Nyakabande Transitzentrum tätig. Sie koordiniert Programme in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene und trägt dazu bei, die Einrichtungen sauber zu halten, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.

„Die Situation verschärft sich, weil die Zahlen täglich steigen“, sagt sie. „Das Transitzentrum ist für etwa 800 Erwachsene ausgelegt, doch derzeit nehmen wir täglich rund 2.600 Menschen auf. Ich setze mich vor allem dafür ein, das Durchgangszentrum sauber zu halten und sicherzustellen, dass Waschräume, Unterkünfte, Toiletten und Müllbehälter gut instand gehalten werden.“
Walusimbi erklärt, dass WASH in einem Transitzentrum unerlässlich ist, da sich bei so vielen Menschen, die sich begrenzte Einrichtungen teilen, Krankheiten sehr schnell ausbreiten können.

Transitzentrum Uganda
Nyakabande-Transitzentrum in Kisoro, Uganda

Sicherheit unter schwierigen Bedingungen

Auch die Sicherheit ist ein wichtiges Thema. Die Behörden arbeiten daran, sowohl Asylsuchende als auch die lokale Bevölkerung zu schützen, gleichzeitig Gesundheitsprotokolle einzuhalten und einen sicheren Weitertransport in dauerhaftere Siedlungen zu gewährleisten.

Viele Geflüchtete empfinden die verschiedenen Einschränkungen als schwierig. „Wir bekommen Wasser und Nahrung, aber wir dürfen das Lager nicht verlassen. Wenn wir draußen etwas besorgen wollen, werden wir zurückgeschickt“, sagt Iragi. „Sie leiden, als hätten sie ein Verbrechen begangen“, ergänzt der Radiomoderator Bosco Nkunda von Kisoro FM. „Sie schlafen auf engem Raum, Kinder sind mangelernährt und gehen nicht zur Schule. Die Menschen kämpfen ums Überleben.“

Ein sicherer Übergang in ein neues Leben

Trotz dieser Herausforderungen bietet Uganda Geflüchteten etwas Seltenes: die Möglichkeit zur Selbstständigkeit. Uganda ist bekannt für seine fortschrittliche Flüchtlingspolitik, die Asylsuchende bereits seit dem Zweiten Weltkrieg schützt. Das Land beherbergt die meisten Geflüchteten in Afrika – rund 1,7 Millionen Menschen aus Ländern wie dem Südsudan, der DR Kongo und dem Sudan.
„Nach drei Tagen in Nyakabande werden Asylsuchende in der Regel in Flüchtlingssiedlungen im Südwesten Ugandas umgesiedelt“, sagt Walusimbi.
Geflüchtete, die im Nyakabande-Transitzentrum untergebracht sind, erhalten lebenswichtige Güter wie Nahrung, Wasser, Decken und Hygieneartikel. Der Aufenthalt ist vorübergehend und dauert etwa 72 Stunden, bevor sie in Siedlungen im Südwesten Ugandas weitergebracht werden. Dort erhalten sie ein Stück Land und genießen Bewegungsfreiheit.

Geflüchtete werden beim Einsteigen in Busse unterstützt, die sie nach Nakivale bringen – eine der ältesten Flüchtlingssiedlungen Afrikas.

Weitere Berichte darüber, wie Geflüchtete in Uganda neue Lebensgrundlagen aufbauen, finden Sie unter „News & Storys“. Hier berichten wir z. B. von Rosemary, die als Geflüchtete aus dem Südsudan ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat.

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