Digitalisierung der Hoffnung für Spargruppen im ländlichen Ruanda
Wie „Amatsinda“ das Sparen in Ruandas Dorfgemeinschaften sicherer, transparenter und inklusiver macht
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Mit der Einführung der Amatsinda-Plattform treibt ForAfrika die „Digitalisierung der Hoffnung“ voran. Diese Innovation bringt die Menschen in ländlichen Gemeinden in Ruanda den Zugang zur digitalen Zukunft und verändert, wie sie sparen, verleihen und wirtschaften. Der Artikel zeigt, warum die von ForAfrika entwickelte Plattform als Game-Changer gilt – und welchen Einfluss die sie auf Teilhabe, Vertrauen und wirtschaftliche Perspektiven in den Dorfgemeinschaften hat.

Bildschirmansicht der von ForAfrika in Ruanda entwickelten Amatsinda-Digitalisierungsplattform.
„Wir sind dankbar für diese innovative Plattform, die unsere Muttersprache nutzt und somit für Mitglieder, die nicht lesen können, viel zugänglicher ist“, sagt Nyirahabumukiza, Vorsitzende einer Spargruppe.
Das traditionelle System der Spargruppen war zeitaufwändig
Spargruppen (sog. „Village Savings and Loan Associations“, kurz: VSLAs) sind in vielen Dörfern Ruandas zum Rückgrat der gemeinschaftlichen Finanzwirtschaft geworden. In diesen Gruppen treffen sich Frauen, Männer und Jugendliche wöchentlich, um zu sparen, Kredite zu vergeben und sich gegenseitig zu unterstützen. Das traditionelle System basierte auf handschriftlichen Aufzeichnungen und Bargeld und brachte zahlreiche Herausforderungen mit sich. Ineffiziente Aufzeichnungen führten oft zu Fehlern und Konflikten, mangelnde Transparenz untergrub das Vertrauen, und begrenzte finanzielle Kompetenz erschwerte fundierte Entscheidungen. Diese Schwierigkeiten hinderten die VSLAs daran, ihr volles Potenzial zur Stärkung ihrer Mitglieder auszuschöpfen.
„Die Nutzung von Papieraufzeichnungen führte zu Ungenauigkeiten und war zeitaufwändig. Manchmal dauerte es zwei bis drei Stunden, um die Informationen der Mitglieder zu dokumentieren. Einige Mitglieder konnten außerdem mit geliehenem Geld verschwinden, ohne dass man sie nachverfolgen konnte“, erklärt Gatangaza Sallyxe, Digital Technology Officer von ForAfrika in Ruanda.
Nicht nur ein Smartphone für jede Spargruppe-Gruppe
Die Einführung von Amatsinda.rw, einer innovativen Plattform zur Digitalisierung der ländlichen Finanzwirtschaft, die von ForAfrika entwickelt wurde, hat die Arbeitsweise der VSLAs in Ruanda grundlegend verändert. ForAfrika arbeitet derzeit mit 90 VSLA-Gruppen im Land.
Seit Juli 2024 wurden 35 VSLA-Gruppen in den Sektoren Rukoma und Rugari im Distrikt Kamonyi sowie in Mushishiro und Rugendabari im Distrikt Muhanga in die Plattform aufgenommen. Bis Ende 2025 sollen alle 90 Gruppen integriert sein. Jede Gruppe hat ein Smartphone erhalten, das vom Gruppensekretär verwaltet wird, der gleichzeitig als Administrator der Amatsinda-Plattform fungiert.
„Wir begannen damit, acht Gruppen – je vier aus jedem der beiden Distrikte – als Champions der Amatsinda-Plattform und Trainer der Trainer (ToTs) auszubilden. Diese Gruppen unterstützten dann im März 2025 die Schulung von weiteren 27 Gruppen“, sagt Sallyxe.

Mitglieder der Gishyeshye-VSLA-Gruppe im Sektor Rukoma zeigen ihre manuellen Aufzeichnungen, die sie vor der Einführung von Amatsinda durch ForAfrika verwendeten.
Digitalisierung der Hoffnung heißt auch sicheres Sparen
Die Digitalisierung durch Amatsinda bringt zahlreiche Vorteile, darunter Echtzeit-Tracking von Ersparnissen und Krediten, automatisierte, fehlerfreie Dokumentation, Zugriff über Smartphones in der Landessprache zur besseren Lokalisierung sowie sichere Datenspeicherung, die das Risiko von Verlust oder Diebstahl minimiert.
„Wir sind dankbar für diese innovative Plattform, die unsere Muttersprache nutzt und somit für Mitglieder, die nicht lesen können, viel zugänglicher ist“, sagt Nyirahabumukiza, Vorsitzende einer VSLA-Gruppe.
Sie ergänzt: „Wir hatten früher große Vertrauensprobleme, und die Beiträge der Mitglieder gingen zurück. Heute tragen Mitglieder, die früher Angst hatten, ihre Ersparnisse zu verlieren, ihre Finanzunterlagen sprichwörtlich in ihren Taschen. Es herrscht viel mehr Transparenz. Wir behalten auch eine manuelle Sicherung bei, sodass wir bei Stromausfällen trotzdem auf die Aufzeichnungen zugreifen können. Die Plattform hat unserer Gruppe neue Hoffnung gebracht – wir können nun zuversichtlich sparen – ohne Angst, unsere Daten zu verlieren.“
Durch die Plattform arbeitet ForAfrika mit Community-Gruppen zusammen, um die digitale Kluft zu überbrücken, sicherzustellen, dass ländliche Gemeinden an der digitalen Wirtschaft teilnehmen können, und sie zu befähigen, ihre wirtschaftliche Zukunft aktiv zu gestalten sowie lokale Führung und Unternehmertum zu fördern.

Mitglieder der Abanyamurava-VSLA-Gruppe während ihres wöchentlichen Treffens – eine der Gruppen, die von ForAfrika als Champions der Amatsinda-Plattform und Trainer der Trainer ausgebildet wurden.
Integrativer Entwicklungsansatz stärkt die Selbstständigkeit
„Wir entwickeln diese innovativen Lösungen gemeinsam mit den Gemeinden, da wir möchten, dass sie die Autonomie und Widerstandsfähigkeit besitzen, ihre Bedürfnisse selbstständig zu erfüllen – ohne auf externe Unterstützung angewiesen zu sein“, betont Ronnie Murungu, Country Director von ForAfrika Ruanda.
Neben der Zeitersparnis ermöglicht die Plattform den Gruppen auch eine viel effizientere Verwaltung ihrer Spar- und Kreditaktivitäten. „Gruppen, die früher bis zu drei Stunden für manuelle Aufzeichnungen benötigten, brauchen nun nur noch 30 Minuten. Die Integration von Amatsinda mit Mobilfunkanbietern wie MTN bietet zusätzliche Sicherheit. Wenn jemand einen mobilen Kredit aufnimmt und nicht zurückzahlt, kann die Plattform diese Person nachverfolgen“, erklärt Sallyxe.
Digitalisierung bringt auch Herausforderungen
Die Einführung dieser Technologie bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. „Ältere Frauen dazu zu bewegen, Smartphones für ihre Ersparnisse zu nutzen, ist sehr schwierig. Zudem fehlt es einigen ländlichen Gruppen an Zugang zu Elektrizität, was das Aufladen der Telefone erschwert. Um diese Initiative nachhaltig und skalierbar zu machen, benötigen wir mehr finanzielle Unterstützung, um die Frauen zu unterstützen und weitere ländliche Regionen zu erreichen“, betont Ronnie Murungu.
Heute profitieren Gruppen, die früher Schwierigkeiten hatten, von den Vorteilen der Digitalisierung. Uwimana, Schatzmeisterin einer VSLA-Gruppe, befand sich früher in finanziellen Schwierigkeiten. Sie trat der Gruppe bei, als sie noch mit Papierunterlagen arbeitete und erinnert sich gut an die damaligen Herausforderungen, einschließlich des mangelnden Vertrauens, das neue Mitglieder vom Beitritt abhielt.

Uwimana nahm einen Kredit aus ihrer VSLA-Gruppe auf und kaufte eine Nähmaschine, mit der sie ein Schneiderei-Geschäft startete, das ihrer Familie nun zusätzliches Einkommen bringt.
Digitalisierung motiviert zum Sparen und sorgt für Aufmerksamkeit
„Die Digitalisierung unserer VSLA-Gruppe hat uns motiviert zu sparen, weil wir wissen, dass unser Geld sicher ist. Heute zeigen mehr Menschen aus der Gemeinde Interesse daran, unserer Gruppe beizutreten, weil wir sehr transparent und organisiert sind“, sagt sie.
Nach mehreren Monaten des Sparens nahm Uwimana einen Kredit aus ihrer VSLA-Gruppe auf und kaufte eine Nähmaschine, mit der sie ihr eigenes Schneiderei-Geschäft aufbauen konnte (die Gründung von Start-ups ist eines der Ziele unseres Existenzgründungsprogramms). Außerdem nutzte sie einen Teil des Kredits, um einen Küchengarten anzulegen, der nicht nur ihre Familie versorgt, sondern dank des von ForAfrika vermittelten Wissens auch zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf von Überschussproduktion bringt.
Nach erfolgreicher Testphase und Umsetzung stößt die Plattform nun auf wachsendes Interesse – nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren in Ruanda.
„Die Amatsinda-Plattform ist ein echter Game-Changer, der die Arbeitsweise von VSLAs revolutioniert hat. Wir befinden uns in Gesprächen mit dem ruandischen Ministerium für Informations- und Kommunikationstechnik über eine landesweite Einführung. Kürzlich haben wir mit dem Mobilfunkanbieter MTN über eine Verknüpfung von Amatsinda mit mobilem Bezahlen zur Förderung der finanziellen Inklusion gesprochen. Auch die nationale Patent- und Datenschutzbehörde möchte mit uns an Datenschutzlösungen arbeiten, um die Nutzer zu schützen“, berichtet Sallyxe.



