Projektland Ruanda
Ruanda bleibt ein Land mit humanitären Herausforderungen

Ruanda, das „Land der tausend Hügel“ in Ostafrika, ist durch den Völkermord 1994 tief geprägt. Trotz Entwicklungsfortschritten bleibt z. B. die Unterernährung mit 31,4 % der Gesamtbevölkerung ein sehr ernstes Problem.
Der Genozid von 1994, ausgelöst durch ethnische Spannungen zwischen Hutu und Tutsi, forderte Hunderttausende Leben und zerstörte Lebensgrundlagen. Plünderungen, Landraub und der Zusammenbruch der Landwirtschaft wirken bis heute nach. Ruanda rangiert im Human Development Index (HDI, dt. Index der menschlichen Entwicklung) auf Platz 159 von 193 Staaten.
Trotz einer gestiegenen Lebenserwartung bleibt die Armut im Land hoch. Bildung ist zentral für die nachhaltige Entwicklung – umso alarmierender sind die hohen Schulabbruchquoten und die weiterhin mangelhafte Bildungsqualität.
ForAfrika in Ruanda
ForAfrika nahm seine Arbeit in Ruanda im Jahr 1994 nach dem Genozid auf. In Shyogwe im Distrikt Muhanga gründeten wir das Fred‑Nkunda‑Life‑Centre, das sich um Waisen des Genozids kümmerte. Das Zentrum integrierte mindestens 10.000 Waisen wieder in ihre Familien und entwickelte sich später zu einem Berufskolleg weiter. Im Jahr 2022 übergaben wir die Leitung des Zentrums an eine lokale Organisation.
Wir arbeiten eng mit jungen Menschen zusammen, um zum Aufbau widerstandsfähiger und selbstständiger Gemeinschaften beizutragen. Dazu vermitteln wir praktische Fähigkeiten in Landwirtschaft, Unternehmertum und finanzieller Bildung. Durch gezielte Schulungen und Unterstützung werden junge Menschen befähigt, einkommensschaffende Projekte wie Küchengärten oder Viehzucht zu starten, die sowohl die Ernährungssituation der Haushalte verbessern als auch die wirtschaftliche Stabilität stärken. Indem wir Führungskompetenzen und Innovation fördern, stellen wir sicher, dass die nächste Generation nicht nur ernährungssicher ist, sondern aktiv zur lokalen Entwicklung beiträgt.
Ruandas humanitäre Herausforderungen
Laut Welthungerindex sind 31,4 % der Menschen in Ruanda unterernährt – ein alarmierender Wert. Insbesondere in ländlichen Gebieten lebt ein großer Teil der Bevölkerung in Armut. Besonders Kinder leiden unter Wachstumsverzögerung (33,1 %; dieser Wert wird als „gravierend“ bezeichnet). Auch der Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen bleibt in vielen Regionen problematisch. Dies untergräbt nicht nur die Gesundheit, sondern auch Bildungs- und Entwicklungschancen.
Der Genozid von 1994 hinterließ tiefe Wunden, die das Land bis heute prägen. Trotz beachtlicher Versöhnungsbemühungen bleibt die gesellschaftliche Aufarbeitung eine große Herausforderung. Viele Überlebende leiden bis heute an den psychischen, sozialen und ökonomischen Folgen. Traumata sind generationsübergreifend spürbar, und in ländlichen Gebieten fehlt es oft an psychosozialer Unterstützung. Die nationale Einheit bleibt fragil, weshalb Erinnerung, Bildung und Dialog essenziell sind, um nachhaltigen Frieden zu fördern.
Obwohl die Lebenserwartung steigt, bleiben Mütter- und Kindersterblichkeit auf einem besorgniserregenden Niveau. 40 von 1.000 Kindern sterben vor dem fünften Geburtstag, und 229 Mütter pro 100.000 Geburten verlieren bei der Geburt ihr Leben (im Vergleich zu „nur“ 4 in Deutschland). Besonders in abgelegenen Regionen fehlt es an gut ausgebildetem medizinischem Personal, Ausrüstung und Basisinfrastruktur. Präventive Maßnahmen, Aufklärung und flächendeckende Gesundheitsdienste sind entscheidend, um die Lebensperspektive und -qualität nachhaltig zu verbessern.
Drei Viertel der Bevölkerung arbeiten im Landwirtschaftssektor, doch Landknappheit, Klimawandel und fehlende Digitalisierung bremsen das Potenzial. Zwar investiert Ruanda in digitale Lösungen, doch vielen fehlt der Zugang oder die Kompetenz, diese zu nutzen. Frauen sollen gezielt gestärkt werden, doch in der Praxis bleiben strukturelle Ungleichheiten bestehen. Besonders die hohe Bevölkerungsdichte erschwert nachhaltige Bewirtschaftung. Langfristig braucht es v.a. mehr Bildung und Zugang zu Technologien, um die Landwirtschaft resilient und zukunftsfähig zu gestalten.
Mit Blick auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainbale Developments Goals, kurz SDG) der internationalen Gemeinschaft sticht auch Ziel 8 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ heraus. Die Arbeitslosenquote liegt im Jahr 2025 weiterhin bei nahezu 12 % und bleibt damit auf einem hohen Niveau. An dieser Stelle setzen insbesondere unsere Existenzgründungsprojekte an: Sie schaffen Einkommensmöglichkeiten und fördern vor allem Frauen dabei, ein selbstbestimmtes und wirtschaftlich unabhängiges Leben aufzubauen.










